Presse
26.10.2007, 08:51 Uhr | Rhein-Zeitung - Ausgabe Neuwied vom 26.10.2007
Die Sorge vor einer Stadt der Moscheen
CDU-Ortsverband spricht über Bauvorhaben der Ahmadiyya-Gemeinde
In der Debatte um die geplante Moschee an der Matthias-Erzberger-Straße in Heddesdorf geht es längst nicht mehr nur um Verkehrsprobleme. Das wurde bei einem Treffen des CDU-Ortsverbandes Neuwied und Heddesdorf deutlich.

NEUWIED. Georg Schuhen macht die geplante Moschee an der Matthias-Erzberger-Straße im Neuwieder Stadtteil Heddesdorf derzeit schwer zu schaffen. Neben seiner Arbeit als Rendant für das Dekanat Rhein-Wied bekommt er täglich mehrere Anrufe von Neuwiedern, die ihm ihre Sorgen über das Bauvorhaben mitteilen möchten. Auch wenn sich der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Neuwied und Heddesdorf in der Öffentlichkeit sehen lässt, wie etwa bei den Markttagen am vergangenen Wochenende, sprechen ihn die Bürger an. "Das ist ein Thema, was die Menschen bewegt", berichtete er seinen Kollegen vom Ortsverband in dieser Woche.

Präzedenzfall geschaffen?

Doch es sind nicht mehr nur die Anlieger des umstrittenen Bauvorhabens, weiß Schuhen. Zunehmend artikulieren sich die Bedenken auch als "Angst vor einer fremden Kultur", konstatiert Schuhens Vorstandskollegin Gudrun Vielmuth. "Wenn die Stadt diese Moschee gestattet, schafft sie damit einen Präzedenzfall. Dann kommen andere auch. Die Islamisierung schreitet voran", beschreibt Vielmuth die Gefühle einiger Bürger. Es ist eine graduelle Veränderung in der Moschee-Debatte, die sich in diesen Gefühlen widerspiegelt. Die Sorge: Wird aus der Stadt der Schulen bald auch eine Stadt der Moscheen?

Daher sind sich die Christdemokraten einig, dass sie über diese Ängste mit den Muslimen sprechen müssen. Und sie wollen die Bedenken der Bürger ernst nehmen. "Wenn wir die Dinge nicht offen ansprechen, dann entwickelt sich eine verdeckte Thekenszene. Sonst wird aus den Bedenken etwas, was sich als Ausländerfeindlichkeit artikuliert", sagt CDU-Mitglied Gerhard Krose. Und Vorstandsmitglied Gerhard Neumann fordert: "Wir müssen die Gelegenheit nutzen, um zu einer Integrationsvereinbarung zu kommen. Nur so können die Ängste abgebaut werden und die uns teilweise fremden Mitbürger, die übrigens deutsche Staatsbürger sind, in unsere Gesellschaft nach und nach integriert werden." Zuletzt hatten auch die Grünen eine solche Integrationsvereinbarung verlangt.

Das Gespräch mit der Ahmadiyya-Gemeinde gesucht hatten im Vorfeld der Sitzung bereits Gudrun Vielmuth und Georg Schuhen. "Die Muslime sind sich sicher, dass sie alle Bedenken ausräumen werden", berichtet Vielmuth von dem Treffen. Was die auf dem Grundstück vermuteten Altlasten angeht, so sei auch dies kein Thema für die Ahmadiyya. Der Boden solle abgetragen und entsorgt werden.

Vielmuth erkundigte sich auch nach dem Verhältnis der Muslime zu den Frauen. "Wir pflegen ein anderes Miteinander als ihr", habe man ihr berichtet. Außerdem haben ihr die gebürtigen Pakistanis mit deutschem Pass versichert, dass sie einer friedlichen Gruppierung angehören, die großen Wert auf gute Nachbarschaft legt. Die meisten kämen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Moschee. Der Bau finanziere sich allein aus eigenen Spenden. "An Geld scheint es ihnen nicht zu mangeln", sagt Vielmuth.

Thema bei der CDU waren jedoch auch die von den Anwohnern der künftigen Moschee befürchteten Verkehrsprobleme. Hierbei rückt zunehmend eine algerische Gruppe ins Visier, die ihr Gebetszentrum ebenfalls an der Erzberger-Straße hat. Am Freitagnachmittag sei das gesamte Gebiet inklusive der Seitenstraßen zugeparkt, berichtet Schuhen. "Das ist ein einziges Chaos", sagt CDU-Mitglied und Anlieger Stephan Peters. Er forderte, dass jede Kirche für ihre Mitglieder auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung stellen müsse. Auch die Einrichtung von Anwohnerparkplätzen sei eine denkbare Alternative.

Fokus auf algerische Gruppe

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Bernhard zur Hausen regte an, den Fokus weg von der Ahmadiyya-Gemeinde auf die algerische Gruppe zu richten. "Die Ahmadiyya ist sehr kooperativ und hat relativ wenig Autos. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Falschen beschuldigen." Deshalb sollte man nach Ansicht von Erich Geisen mit der Ahmadiyya-Gemeinde sprechen, ob sie nicht mehr Parkplätze schaffen könnte, die dann auch ihre Glaubensbrüder nutzen dürfen.

Georg Schuhen gab jedoch zu bedenken, dass sich beide Gruppen keineswegs "grün sind" - bekanntlich akzeptieren andere islamische Glaubensrichtungen die Ahmadiyya nicht als Muslime. Diese Feindschaft schüre bei Deutschen auch die Angst vor Auseinandersetzungen zwischen den Muslimen.

Schuhen will jetzt in Erfahrung bringen, ob eine Zufahrt über die private Beringstraße mittels einer Baulast nicht doch noch möglich ist. Dafür bedarf es jedoch des Einverständnisses des Eigentümers, der dies bislang abgelehnt hatte. Außerdem möchte er prüfen lassen, ob sich das Vorhaben, wie im Bebauungsplan verlangt, "in seiner äußeren Gestaltung und insbesondere Farbgestaltung dem Orts- und Landschaftsbild harmonisch" anpasst. Doch auch der CDU ist klar, dass sie nicht einer Religionsgemeinschaft etwas verwehren kann, was sie anderen erlaubt.
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