Presse
10.10.2007, 09:03 Uhr | Rhein-Zeitung - Ausgabe Neuwied vom 09.10.2007
Moschee soll in Neuwied entstehen
"Ahmadiyya-Muslim"-Gemeinde plant Bau eines 2500 Quadratmeter großen Gotteshauses - Voranfrage positiv beschieden
Muslime gehören in Neuwied schon seit Jahrzehnten zum alltäglichen Bild. Doch ihr Gemeindeleben spielt sich zumeist noch im Verborgenen ab. Zwar gibt es bereits Moscheen - doch sind diese öffentlich kaum sichtbar. Das könnte sich im nächsten Jahr ändern.

NEUWIED. Die "Ahmadiyya-Muslim"-Gemeinde plant an der Neuwieder Matthias-Erzberger-Straße den Bau einer 2500 Quadratmeter großen Moschee. Das bestätigt Shakil Khalil von der Bau-Abteilung der Deutschland-Zentrale der islamischen Glaubensgemeinschaft auf RZ-Nachfrage.

Das für 150 Personen ausgelegte Gotteshaus soll auf dem früheren Gelände der Firma "Seifen-Sieger", einem Produzenten von Putz- und Reinigungsmitteln, entstehen. Das Grundstück hat die Gemeinde laut Khalil bereits erworben. Der Grundbucheintrag soll in den nächsten Wochen folgen. Die Bauarbeiten sollen aber erst nächstes Jahr beginnen und etwa neun Monate dauern. Insgesamt will die Glaubensgemeinschaft etwa 200 000 bis 400 000 Euro investieren.

Nach Angaben von Bürgermeister Reiner Kilgen (CDU) hat das Bauamt eine Bauvoranfrage bereits positiv beschieden. Das Gebiet ist zwar laut Kilgen als Gewerbegebiet ausgewiesen - kirchliche Einrichtungen seien jedoch ausdrücklich erlaubt. Unter anderem sind hier bereits die Zeugen Jehovas und eine mennonitische Gemeinde ansässig. Jetzt muss die Glaubensgemeinschaft Kilgen zufolge einen formalen Bauantrag stellen. Danach ist zu klären, wie mit den auf dem Grundstück vorhanden Altlasten zu verfahren und ob das Moschee-Bauvorhaben gesetzmäßig ist. In diesem Verfahren können sich auch die Nachbarn zu dem Vorhaben äußern. Kilgen betont jedoch bereits: "Eine Moschee wäre hier zulässig."

Nach den Plänen der "Ahmadiyya"-Zentrale besteht die Moschee aus zwei voneinander trennbaren Gebetshallen für Männer (67 Quadratmeter) und Frauen (63 Quadratmeter). Außerdem sind zwei ebenfalls separierte Büros und Toilettenanlagen vorgesehen. Auch die Eingänge sind getrennt. Überdies ist ein etwa zehn Meter hohes, rundliches Minarett geplant. Gebete werden daraus aber nicht zu hören sein, betont Baufachmann Khalil: "Wir wollen die Nachbarn nicht stören." Außerdem hat das Gebäude eine für Moscheen typische Kuppel. Das Aussehen ist an die Moschee im Koblenzer Stadtteil Lützel angelehnt, die allerdings bedeutend größer ist. Von dort kommt auch der Imam der Neuwieder Gemeinde.

Die in der Deichstadt etwa 130 Mitglieder zählende Gemeinschaft ist sehr darum bemüht, die geplante Moschee als offenes Zentrum für alle Neuwieder zu gestalten. So möchte sie das Gebäude nicht nur für spirituelle Zwecke nutzen, sondern darin auch Hausaufgabenhilfe, Kinder- oder Kulturveranstaltungen für alle Neuwieder anbieten. "Wir wollen für jeden offen sein", sagt Alam Sohal, der bei der Neuwieder Gemeinde für das Eigentum zuständig ist. Deshalb möchten die Muslime zur Grundsteinlegung auch die Öffentlichkeit einladen. Dann oder zur Eröffnung der Moschee will auch das spirituelle Oberhaupt der "Ahmadiyya-Muslim"-Gemeinde, Hazrat Mirza Masroor Ahmad, nach Neuwied kommen.

Angesichts der Proteste gegen Moschee-Bauvorhaben in anderen Städten wie Köln oder Berlin-Pankow ist die Neuwieder Gemeinde besonders auf ein gutes Verhältnis zu ihrer künftigen Nachbarschaft bedacht: "In unserem Glauben hat der Nachbar sehr viele Rechte. Häufig ist es so, dass die, die heute jammern, später unsere besten Freunde sind", berichtet Ahmed Tahir.

Zwar wissen die Mitglieder der "Ahmadiyya"-Gemeinde um die Bedenken der Deutschen seit den Terroranschlägen am 11. September 2001. Dem setzen sie jedoch ihr Leitmotiv "Liebe für alle - Hass für keinen" entgegen. Außerdem verweisen sie darauf, dass sie selbst Verfolgte in ihrem Heimatland Pakistan sind. Dort dürfen sie ihren Glauben nur in Gebetsräumen praktizieren. Auch deshalb liegt es ihnen so sehr am Herzen, ihre Räume an der Heddesdorfer Straße endlich gegen eine Moschee einzu-tauschen.

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Hintergrund

Die "Ahmadiyya-Muslim-Jamaat"

Die "Ahmadiyya-Muslim"-Bewegung ist eine islamische Reformbewegung, die Hazrat Mirza Ghulam Ahmad 1889 im indischen Qadian gegründet hat. Ihr gehören weltweit mehrere Millionen und in Deutschland etwa 30 000 Menschen an. Anders als die Mehrheit der Moslems, die noch auf den Messias wartet, sehen die Mitglieder der "Ahmadiyya"-Bewegung ihren Messias in ihrem Gründungsvater Ahmad. Eine Reihe von Kalifen hat sein geistiges Erbe bis heute weitergeführt. 1989 proklamierte der damalige Kalif Mirza Tahir Ahmad das Ziel, bis zum Jahr 2010 deutschlandweit 100 Moscheen zu bauen. Die erste war die Wittlicher Ham"d-Moschee. Nicht immer blieben die Bauvorhaben ohne Widerstand: So hat sich in Berlin-Pankow eine Bürgerinitiative gegen den Moscheebau formiert. Hintergrund sind Vorwürfe, die "Ahmadiyya"-Bewegung sei frauenfeindlich, antisemitisch und demokratiefeindlich. Die Glaubensgemeinschaft selbst betont jedoch stets, der Verfassungsschutz habe sie als unbedenklich eingestuft.
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